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Magazin
Aus allen Gruppen
22.06.2015
Amüsantes
Über das Schreiben erotischer Texte
Über das Schreiben erotischer Bücher
Sie wollen nicht ihre Garage aufräumen, Sie möchten lieber ein Buch schreiben. Ein erotisches Buch! Glauben Sie etwa, das ist eine sinnvolle Tätigkeit? Warum putzen Sie nicht besser Ihr Auto oder wischen Ihr Treppenhaus? Öde? Nutzlos? Langweilig? So so. putzen, wischen und fegen ist langweilig. Rechtschreibkorrektur und Formatierung eines Buches, das ist viel aufregender, glauben Sie? ‚Das macht doch das Lektorat!‘, höre ich Sie sagen. Ja, ein Lektorat wird Ihren Text in eine sprachlich angenehme Fassung bringen, allerdings nur für Bares – einige hundert Euro werden bei einem guten Lektorat schon fällig.
Macht das nicht der Verlag?
Kein deutscher Verlag wird sich um ein unlektoriertes Manuskript eines unbekannten deutschen Autors reißen. Deutsche Verlage sind Teppichhändler: Sie kaufen im Ausland billig ein und verkaufen in Deutschland zu Höchstpreisen. Ein Geschäft, das besonders zur Weihnachtszeit floriert: Schwedische, finnische, britische Autoren werden zu Spitzenpreisen abgesetzt – Geschenke für die Omi? Etwas aus Indien, sie mochte das doch so sehr, als sie jung war! Vergessen Sie die deutschen Verlage. Diese Leute lehnten „Der Herr der Ringe“ ab, weil es „kein Geschäft“ wäre – ein Schulbuchverlag war es, der zugriff: Ihn rettete das Werk vor der sicheren Pleite. Erwarten Sie also nicht, dass Ihr Werk von einem deutschen Verlag wohlwollend angenommen wird – es landet voller Unkenntnis im Müll.
Sind Sie immer noch der Meinung, es wäre wert, gedruckt zu werden? Dann auf, ein Lektorat suchen und ab damit zu BoD oder einem der anderen Dienstleister, die Ihr Geld und das Manuskript nehmen und, bei Bedarf‘ drucken. Ihr Buch wird einmal gedruckt und vergessen, nicht einmal eine Fußnote wird es jemals erwähnen.
Dieser Weg ist falsch.
Schreiben Sie zuerst für eine Gemeinschaft, so klein sie auch sein mag. Für die Anonymen Alkoholiker, die Schülerzeitung oder den Lehrerverband. Das hilft Ihnen beim Erlernen fundamentaler Voraussetzungen, wie man einen Handlungsbogen aufbaut und Figuren entwickelt. Vergessen Sie Lehrgänge und Schulen, die Ihnen ‚erfolgreiches Schreiben‘ beibringen wollen. Diese Typen wollen Ihr Geld, sonst nichts. Sicher helfen die besten Kurse etwas, aber wenn Sie etwas zu sagen haben, brauchen Sie keinen dieser Kurse – und damit sind wir schon beim Thema.
Haben Sie etwas zu sagen?
Haben Sie etwas zu erzählen, das Menschen interessiert? Wirklich interessiert? Menschen interessieren sich für die verschiedensten Dinge. Zwei Themen sind jedoch Dauerbrenner. Das ist zum einen die Liebe, zum anderen sind es Krimis. Hinter dem Thema ‚Liebe‘ steht ein Bedürfnis, hinter ‚Krimi‘ oft nur der blanke Neid. Sex als Thema Nr. 1 wählen nur Männer, die kaufen jedoch keine Bücher. Bücher, die nur Sex als Hauptthema haben, werden ab und zu gelesen, wie die Kinsey-Reporte im Gefolge der sexuellen Aufklärung, mit dem Bekanntwerden des Themas S/M an sich oder den unzähligen „Outing“- Büchern verschiedener sexueller Minderheiten. Diese Kategorie ist ziemlich ausgelutscht – ich könnte mir gegenwärtig kein Buch vorstellen, das in eine neue Marktlücke vorstoßen würde, außer vielleicht „Die Liebe der Zimmerpflanze“. Was ganz zwanglos zu ziemlich fortgeschrittenen Spielen führen könnte.
Keine Marktlücke dagegen benötigt die Geschichte „Boy-meets-Girl“. Sie ist so alt wie die Menschheit und ewig jung. Jede Gesellschaft, jede Generation sucht sich ein neues Ideal der ewigen Liebe. Je nach Freizügigkeit der Gesellschaft wird die Geschichte mehr oder weniger offen geschildert. Damit ist das Thema in etwa abgesteckt: eine Liebesgeschichte, mit oder ohne einem darin verwickelten Krimi (wie es „Shades of Grey“ vorgemacht hat), ist so ziemlich sicher ein Erfolgsrezept. Sex, so verkommen er auch sein mag, kann darin geschildert werden – nur darf es nicht das Hauptthema sein und es darf nicht vom Titelheld kommen, es sei denn, er hatte wie Christian Grey eine schwere Jugend.
Schreiben Sie Liebesgeschichten!
Ihre Zielgruppe werden keine Männer sein, wie gesagt kaufen Männer keine Bücher. Frauen dagegen lesen, wenn es sie interessiert, ungeheuer viel und sind unglaublich tolerant, auch gegenüber groben Fehlern der Autoren. Dass kein Mann beim Orgasmus einen Namen denken, geschweige denn sagen kann, wie Christian Grey, der immer wieder „Anna!“ röchelt, haben alle Leserinnen der Autorin verziehen. Oder sie halten es für die reine wahre Liebe und den eigenen Mann für einen Arsch, weil er nur langweilig ächzt.
Die Zielgruppe sind Frauen, die Liebesgeschichten lesen wollen, denn – ich sage es nochmals: Männer lesen nicht. Männer schauen nur.
Die Geschichten müssen kein Happy End haben. Sie können traurig sein, grausam, liebevoll, zärtlich, romantisch, kritisch, verwegen, fantastisch oder auch abstoßend wie ‚Feuchtgebiete‘ – denn auch da finden sich zwei. Egal, was in den untersten Schubladen Ihrer Gedanken schlummert – Sie werden einen Weg finden, es zu erzählen, wenn Sie nur an sich selbst glauben. „Hannibal“ kennt jeder, aber nur Thomas Harris könnte uns sagen, was ihn dazu bewogen hat, auf die Geschichte zwischen Agent Clarice Starling und Dr. Hannibal Lecter zu kommen – außer, dass er gerne Cordon Bleu zubereitet, wissen wir wenig über ihn. Eines müssen Sie jedoch auf jeden Fall sein: Authentisch! Die Leser verfügen über ein feines Gespür, ob Sie hier eine Hausaufgabe abliefern oder ob das wirklich ‚Sie‘ sind. Veralbern lassen möchte sich niemand.
Es wurde doch schon alles geschrieben!
Irgendwann werden Sie an diesem Punkt ankommen. Ja, es wurde schon alles mindestens einmal gesagt und geschrieben. Schon das Kamasutra beschrieb, dass Schläge und Bisse beim Liebesspiel angenehm sein können. Aber haben Sie Mut, schreiben Sie! Niemand möchte immer das Gleiche lesen. Ihr Werk sollte professionell lektoriert werden. Auch wenn Sie glauben, gutes Deutsch zu können, ein Lektorat ist dringend notwendig. Deutscher Standard ist nun einmal der Duden und den kennt kein Autor auswendig, ein Lektorat dagegen schon. Meine Wahl war MetaLexis. Sie sind erfahren und erschrecken nicht, auch wenn Sie anfangs etwas zu sehr ins Detail gehen. Beim Alter der Zielgruppe sollten Sie sich keinen Illusionen hingeben. Sie werden kaum die nächste Generation erreichen, weder eine höher noch eine niedriger. Hören Sie jungen Menschen zu und versuchen Sie, ihren Slang zu verstehen. Wissen Sie, was OMFG und HDF oder HDL bedeutet? Oder wissen Sie, was es bedeutet, dass jemand die Eule hat? Dass Ihr Buch Menschen über Grenzen und Generationen hinweg etwas zu sagen hat, wie etwa der Marquis de Sade - das sind Wunschträume.
Träume darf man jedoch haben!
Von den Wunschträumen zurück zur Realität. Sie haben einen lektorierten Text und wollen ihn veröffentlichen. Sehr wahrscheinlich (es sei denn, Sie haben ‚Verbindungen‘) werden Sie von allen Verlagen Absagen bekommen, nach unverschämt langer Zeit. Statt dass Ihr Text während dieser Wartezeit als Kopiervorlage und Ideensteinbruch an die Hausautoren (und deren Kinder) geht und ausgeschlachtet wird, können Sie auch gleich veröffentlichen: In Szene-Magazinen, Online-Verlagen, BoD-Verlagen und so weiter. Denn kein deutscher Verlag wird sich um Ihr Buch reißen. Deutsche Verlage haben kein Gespür. Weder für Ihr Buch, noch hatten sie es für den „Herrn der Ringe“, den einzig ein Schulbuchverlag herausgab, der kurz vor der Pleite stand. Man kann ihnen nicht einmal böse sein, denn Autoren gibt es wie Sand am Meer und die Deutschen kaufen Bücher vor allem als Weihnachtsgeschenk, egal was drin steht: sie lesen es ja nicht. Das dürfte auch der Grund sein, dass gedruckte Bücher noch verkauft werden: ein E-Buch wickelt sich so schlecht in Geschenkpapier. Ansonsten, gerade wenn es um Lust und Liebe geht, ist das Verhältnis gedrucktes zu E-Buch etwa 1:100. Was im Regal steht, sieht jeder; was im Handy oder dem Kindle schlummert, niemand.
Lektoriert? Dann raus damit, mit oder ohne Verlag!
Ja, Sie haben richtig gelesen: Ich fordere Sie auf, ihr Werk, nachdem es professionell durchgesehen wurde, zu veröffentlichen, wo auch immer. Es wird nicht Ihr einziges Werk bleiben, wenn Sie gelesen werden wollen. Was, zum Beispiel, kennen Sie von Ernest Hemingway? Vermutlich „Der alte Mann und das Meer“, dabei hat Hemingway wesentlich mehr geschrieben. Im Gedächtnis geblieben ist jedoch sein letztes Werk, das er sozusagen nebenher verfasst und zuerst in einer Zeitschrift veröffentlicht hat. Nur, wenn Sie weiter schreiben und beim Schreiben bleiben, haben Sie eine Chance. Meine eigene Wahl war Amazon.de und ich bin nicht unzufrieden, aber Sie können auch wie die Autorin von „Shades of Grey“ auf die Suche nach Verlagen durch die Welt gehen. Sie hatte in einer früheren Kolonie des Britischen Empire (Neuseeland) Erfolg, aber ob Sie in Namibia einen Verlag finden werden, möchte ich bezweifeln.
Oh – noch eins. Rezensionen!
Ein gefährliches Thema. Es ist menschlich, in allem nur das Schlechteste zu sehen und genau das herauszustreichen. Mozarts Musik wäre gut, sie hätte nur zu viele Noten‘, sagte angeblich schon Kaiser Joseph II. Vergessen Sie es trotzdem, sich lobende Rezensionen selbst zu schreiben. Wenn Sie schon meinen, dass Sie Kommentare brauchen, dann von echten Lesern. Auch wenn es weh tut – aber damit kennen Sie sich ja aus.
Wie findet ihr Buch seine Leser?
Hier droht Ihnen nach dem langen Warten auf die Absagen der Verlage, bereits die nächste Enttäuschung. Wahrscheinlich liegt Ihr Buch im Regal und verstaubt. Da Männer keine Bücher kaufen und Frauen nur Bücher lesen, die ihnen die Freundin ausgeliehen hat, werden Sie ohne geschicktes Marketing kaum Erfolg haben. Dazu gehört das Verbindungen aufbauen und nutzen, kleine Geschenke (in Form von Geschichten), die bekanntlich die Freundschaft erhalten, wegzugeben, allerdings auch die schnöde Werbung. Denn was nützt ein gut geschriebenes lektoriertes Buch, wenn es niemand findet?
Online-Werbung ist heute die verbreitetste Werbung überhaupt. Ob es jetzt in der Szene (fragen sie Cuthul Anko Quiy) oder auf Facebook ist, über Google oder auf Bing, für wenig Geld kann man sein Buch bekannt machen. Dabei verspricht Facebook einen schnellen Einstieg und relativ schnell eine gewisse Bekanntheit. Sehr wahrscheinlich wird Ihnen Facebook jedoch bald eine Warnung zusenden, dass Ihre Werbung auf ‚unangemessene‘ Inhalte führt. Facebook ist so pingelig wie Apple, lediglich Google ist es ziemlich egal, für was Sie werben. Dafür wird Google AdWords sehr schnell sehr teuer. Das Ergebnis so einer Werbesession ist meist ernüchternd: Auf einige zig tausend Einblendungen kommen lediglich einige hundert Clicks auf ihre Webseite und vielleicht ein oder zwei Handvoll verkaufte Bücher. Was bei einem Autohersteller ein glänzender Erfolg wäre, wird Sie enttäuschen: die Margen im Buchgeschäft sind ziemlich mies und wenn Sie hinterher Null auf Null herauskommen, waren Sie gut.
Aber Sie wollten es ja so – schließlich hätten Sie ja auch Ihre Garage aufräumen können.
OMFG bedeutet: Oh my fucking God, HDL Hab dich lieb und HDF Halt die Fresse. Die Eule ist das Symbol für ein Naturschutzgebiet in den neuen Bundesländern und wer die Eule hatte, stand unter Schutz (der Partei).
© Text: Oleg
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