Die Angst des Subs
Die Angst des Subs beim Anschreiben von FemDoms
Sie war so eigentlich nett. So direkt. So fordernd, dass er nicht anders konnte. Und er war so unvollkommen. So kam er sich vor. Er war nur einer von tausenden MaleSubs, die im Internet herumvagabundieren, harmlos, heimatlos, herrinnenlos. Die besten Herrinnen waren alle weg, in guten Händen von Subs, die es verstanden, ihre Herrinnen zu toppen from the bottom.
Wie machten die das bloß? Er hatte schon alles versucht: alle Lieblichkeiten, von denen er gehört oder gelesen hatte, rauf und runter. Er könnte das alles ebenso gut, ließe alles mit sich machen, sei erst 24 Jahre alt, aber wisse, wo und wie der Hase läuft. Schrieb er.
Aber nein, keine fragte ihn, ob er ihr Sklave werden wollte. Wenn er mal anfragte, ob er ihr eine seiner netten Phantasien vorlesen dürfe, kriegte er, wenn überhaupt, nur die hochnäsige Antwort, er möge seine Schweinereien seiner eigenen Herrin vorlesen. Das fand er gemein. Und überhaupt, er hatte doch keine zum Zuhören.
Aber jetzt hatte er eine in der SZ getroffen, die hatte wenigstens ein zweites Mal geantwortet. Und was hatte sie beim zweiten Mal geschrieben? „So lob ich mir das. Erst mal alles akzeptieren und hinterher fragen, was ich von dir will! Da ist noch viel submissives Potential drin!“ Was die bloß meinte?
Er kriegte Fracksausen und hatte Mitleid mit sich: „Ich bin ein ganz armes Schwein. Was soll ich bloß antworten? Ich weiß nicht, ich bin ja so unvollkommen. Ich glaube, morgen schreibe ich in mein Profil, dass ich eigentlich ein Dom sei und mich vertan hätte." Warum musste immer alles so schwierig sein?
Selbstmitleid übermannte ihn, und so sagte er sich zum zweiten Mal: „Ich bin ein armes Schwein, so ein richtig unvollkommenes Subjekt.“ Das Leben als Sklave war hart, und er beschloss, doch lieber Im tiefen Tal der Superhexen von Russ Meyer auf ARTE um 0.20 Uhr zu schauen. Das versöhnte ihn.
© Pankratius (2007)
