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29.06.2019
ONLINE-MAGAZIN
Themenbeitrag


Bild von: MagicZyks


Auf das Thema dieses Artikels bin ich durch einige Beiträge im Forum der Sklavenzentrale gestoßen. Ein über die Jahre immer wiederkehrendes Forumsthema ist, dass sich Männer pauschal über „die Frauen“ in der Community beklagen und dass sich Frauen ebenso häufig über das Benehmen „der Männer“ aufregen.

Klassiker sind dabei Fragen wie: „Warum antworten so wenige Frauen hier, wenn man sie höflich anschreibt?“, „Warum nehmen alle dominanten Frauen Geld?“ oder aus Sicht der Frauen:
„Warum lassen Männer jeden Respekt vermissen und verwechseln Dominanz mit Dreistigkeit?“.

Die Fragestellungen ähneln sich insoweit, als dass die Erwartungshaltung an das andere Geschlecht nicht erfüllt wird.

Dieser Konflikt ist vermutlich nicht ungewöhnlich. Interessant finde ich allerdings die Reaktionen darauf. Denn die Schreiber im Forum reagieren darauf zum Teil geschlechtsspezifisch. Selbstverständlich gibt es immer auch Männer und Frauen, die sich der jeweils gegengeschlechtlichen Sichtweise zuneigen. Jedoch ist ein klarer Trend bei den Geschlechtern zu erkennen.

Frauen, welche sich in Forumsbeiträgen äußern, die von unzufriedenen Männern eröffnet wurden, warten überwiegend mit Ratschlägen auf. Sie hinterfragen die Erwartungshaltung des Mannes, sie geben Tipps zum Auftritt und zur Selbstdarstellung. Kurzum Frauen versuchen den hilfesuchenden Mann so zu optimieren, bis er (aus weiblicher Sicht) vermittelbar ist. Frauen stellen sich in der Regel nicht auf die Seite des Mannes und wettern über die unmöglichen, unfreundlichen Geschlechtsgenossinnen.

Männer tun dies sehr wohl. Nahezu reflexartig schreiben Männer in Forumsbeiträgen, welche von Frauen gestartet werden und in welchen sich Frauen über männliches Gebaren mokieren: „Es gibt viele Irre hier.“

Nur wenige Männer setzen sich kritisch mit den Beschwerden der Frauen auseinander. Mann solidarisiert sich zunächst mit der Frau.


Warum ist das so?

Die Sklavenzentrale ist letztendlich keine Plauderecke, sondern auch eine Plattform von der man sich Dates verspricht. Was dazu führen kann, dass man Geschlechtsgenossen auch als Konkurrenten um das scheinbar knappe Gut „Frau“ begreift.

Was liegt da näher, als die Männergruppe, welche eine Frau in einem Thread bereits als unpassend anprangert, gleich endgültig ins Abseits zu stoßen: „Pass auf Kleines, alles Psychopathen im Netz“.

Das ist sozusagen die Internetversion des alten Leitsatzes: „Alle Männer sind Schweine, außer Papa.“ Dass man selbst auch zu dieser durchaus gefährlichen Gattung gehört, selber aber grundanständig ist, dass hat man ja schon allein dadurch bewiesen, dass man Empathie gezeigt hat und frauensolidarisch gegen die „eigene Art“ argumentiert.

Frauen stellen sehr viel seltener ihre Geschlechtsgenossinnen in Frage. Sie raten den unzufriedenen Männern im Forum mehr dazu, die eigenen Ansprüche und Erwartungshaltungen zu korrigieren, um Erfolg beim andern Geschlecht zu haben. Das unterscheidet sich stark von der männlichen Strategie der Frau zu sagen: „Du bist okay, die andern Kerle sind Idioten – doch ich bin anders.“

Sinn dieser Strategie ist, sich ganz subtil – so subtil ist es allerdings gar nicht – in ein gutes Licht zu rücken und potentielle Konkurrenten hinter sich zu lassen.

Vermutlich steckt aber noch mehr dahinter. Als Mann steht man in den Medien sehr häufig als der Aggressor da.

Besonders bei der Geschlechter-Debatte werden Frauen ständig als Opfer und Männer als Täter dargestellt. Männer werden als Ursache dafür genannt, dass Frauen beruflich und privat nicht vorankommen.

Männer werden in den Medien als alleinige Gewalttäter beschrieben, obwohl einige internationale Studien behaupten, dass z.B. häusliche Gewalt auf Männer und Frauen gleich verteilt ist (siehe auch Wikipedia zu diesem Thema).

Männer belästigen Frauen in Zugabteilen, Restaurants, in der Silvesternacht am Kölner HBF, männliche Politiker fallen durch sexistische Äußerungen auf, Filmproduzenten haben eine Besetzungscouch im Büro, Ex-Liebhaber stalken, usw.

Dieses mediale Männerbild prägt beide Geschlechter und führt – meines Erachtens – dazu, dass man als Mann permanent um Abgrenzung bemüht ist. Man unternimmt erst gar nicht mehr den Versuch, Geschlechtsgenossen zu verteidigen, sondern distanziert sich angesichts der Flut der Vorfälle umgehend, wie bei einer ansteckenden Krankheit.

Im Forum wirkt dies auf mich nicht nur wenig souverän und anbiedernd, nein, es trägt zudem dazu bei, dass dieses Rollenbild weiter gepflegt wird. Besonders in einem Umfeld, wo sich viele Menschen schon von Haus aus auf unsicherem Terrain bewegen, weil grenzverletzendes Verhalten zum Standard gehört, führt die permanente Versicherung der männlichen Schreiber im Forum, dass es im Netz viele Irre gibt und man sich unbedingt covern lassen soll, zu einer Atmosphäre der Gefahr, die nicht zwingend der Realität entspricht.

Draußen im Netz und draußen in der Welt dürfte die Anzahl der „Irren“ so ziemlich gleich sein. Ob unter den BDSMern mehr schwierige Persönlichkeitsstrukturen zu finden sind, als in der Restbevölkerung, das zumindest müsste man erst einmal untersuchen.

Ich würde mir jedenfalls zuweilen wünschen, dass die vielzitierte Dominanz der Szene-Herren zu soviel Standing führt, dass man sich öffentlich auch mal für ein anderes Rollenbild stark macht, anstatt die Geschlechtsgenossen vorschnell als "Irre" abzustempeln.






Text: M.Zyks
Erstveröffentlichung: Schlagzeilen, Juni 2016
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Der Inhalt dieses Artikels gibt lediglich die Meinung und Ansicht des Autors wieder und muss mit der Meinung der Sklavenzentrale nicht unbedingt übereinstimmen.