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Humor und BDSM - SZN-ZYKS-1-000
05.01.2022
ONLINE-MAGAZIN
Themenbeitrag


Bild von: MagicZyks


Humor und BDSM




Humor durchzieht, meiner Beobachtung nach, alle Lebensbereiche, weil er irgendwie zum Menschsein dazugehört. Schon Aristoteles schrieb: "Der Mensch ist das einzige Tier, welches das Lachen entwickelt hat."

So habe ich, gerade in den Anfängen der Community, immer mal wieder in den Profiltexten der dominanten Mitglieder gelesen, man sei kein Mensch, der zum Lachen in den Keller geht und dass beim SM gern auch mal gelacht werden darf.

Man wollte sich damit wohl vom herrschenden Klischee des bierernsten Doms, der nur Befehle zubellt, distanzieren und damit eine humorvolle, menschliche Seite betonen.

Andererseits gab und gibt es auch heute noch viele Profile, worin geschrieben steht, man wolle keinen Partner, der nicht die nötige Ernsthaftigkeit für SM mitbringt.

Wie passen Humor und Ernsthaftigkeit beim SM zusammen?

Humor hat bekanntlich viele Gesichter, vom einfachen Witz zur Zote, hin zu Ironie, Komik, Parodie, Sarkasmus, Spott, Zynismus oder Hohn.

Es gibt für nahezu jeden Anlass eine geeignete Humorform. Ein paar davon könnte man direkt in die Fetischliste der Sklavenzentrale aufnehmen. Hohn und Spott passen gut zum Kanon der degradierenden oder sadistischen Handlungsformen.

Welche die Eingangs angeführten Profiltexte aber sicherlich nicht im Sinn hatten, wenn sie betonen, dass beim SM auch gelacht werden darf.

Ich kann mich an Situationen erinnern, wo einem in einer öffentlichen Session vor Zuschauern ein Missgeschick passiert. Man droht seiner Sub mit z.B. schweren Gewichten, die man danach, gefühlt stundenlang, in seinem Koffer im Dämmerlicht der Party suchen muss. Oder die einem aus der Tasche rutschen und auf den Fuß fallen, worauf erstmal der eigene Masochismus auf die Probe gestellt wird.

In solchen Situationen wäre es wohl souveräner, nicht die Fassung zu verlieren, sondern die Situation mit Selbstironie zu meistern und die vorher zelebrierte Rolle, des alles kontrollierenden Doms, auch mal ablegen zu können.

Doch davon abgesehen, halte ich Humor und Erotik innerhalb von BDSM nicht unbedingt für ein Dreamteam.

Humor und Witz haben vielfach eine Ventilfunktion. Sie nehmen einer Situation die Schärfe und auch die Intensität. Auf Beerdigungen z.B. erlebt man, dass gerade in Momenten, wo die Trauer am erdrückendsten ist, jemand durch eine heitere Bemerkung hilft, die Stimmung nicht ins Unerträgliche abgleiten zu lassen.

Ich habe selbst schon erlebt, dass eine Spielsituation viel ernster und intensiver geworden ist, als ich es selbst aushalten konnte. In solchen Momenten distanziere ich mich von mir selbst mit einem selbstironischen Kommentar. Als eine Art Befreiungsschlag aus der Situation. Auf der Seite meiner Partnerin in der Session, zerstört diese Aktion jedoch die von ihr eventuell erwartete Intensität und Ernsthaftigkeit. Sie fragt sich vielleicht, warum folge ich ihm in diese Situation mit all den ambivalenten Gefühlen, wenn er es am Ende ins Lachhafte zieht?

Ein weiteres Beispiel findet sich bei den Bildtiteln in den Galerien. Der Bildtitel: „Einfach mal abhängen“ in all seinen Varianten, ist unter Suspensionbildern der unangefochtene Spitzenreiter.

Der Widerspruch dessen, was ich unter „abhängen“ für gewöhnlich verstehe (Entspannung, Bequemlichkeit, es sich gutgehen lassen) und der unbequemen bis schmerzvollen, angespannten Bondagepose auf den Fotos, lösen bei mir in Verbindung mit dem verwendeten Wortwitz das Gefühl von Humor aus.

Benennt der Fotograf sein Bild so, könnte ich Hohn unterstellen, gibt das Modell dem Bild diesen Titel, so nehme ich an, dass Modell hat den Titel gewählt, um die Vulnerabilität der Darstellung durch Humor zu brechen.

Was das Modell wirklich im Sinn gehabt hat, kann ich natürlich nicht wissen. Mir und meinem kleinen Freund verdirbt jedoch so ein Bildtitel etwas die Freude an der Bildbetrachtung. Ich verbinde mit einer Suspension eine Intensität fernab von Wellness und Bequemlichkeit. Ginge es mir darum, würde ich mir Sofa-Akte ansehen. Dass man die Situation durch den humorigen Titel „kleinredet“ schadet zumindest meinem persönlichen Kopfkino bei der Betrachtung. :-)

Doch wer weiß, vielleicht empfindet das Modell in der körperlich mit Sicherheit anstrengenden und umkomfortablen Fesselung einen Moment der inneren Ruhe und Bequemlichkeit und es handelt sich hier gar nicht um Humor.

Humor und SM, ein schwieriges Ding halt ...


Text: M. Zyks
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Der Inhalt dieses Artikels gibt lediglich die Meinung und Ansicht des Autors wieder und muss mit der Meinung der Sklavenzentrale nicht unbedingt übereinstimmen.